Prague

Ich hoffe, das gibt jetzt nicht all zu große Probleme mit Flo, aber das hier wird der erste Blogeintrag, bei dem es um eine Reise geht, die ich nicht mit ihm unternommen habe, sondern mit meinen Freunden Lisa, Thekla und Levin, die ich aus der Uni kenne.
Nachdem wir, bedingt durch unsere An- & Abreise zur Uni, viel Zeit an Bahnhöfen verbringen und uns immer wieder fragen (vor allem morgens, wenn wir wieder einen Doppelblock Mathe-Vorlesungen vor uns haben), wie es denn wäre, einfach den nächsten Zug zu nehmen, der uns an so schöne Orte wie Amsterdam oder Paris bringen könnte, stand unser Vorhaben fest: Wir fahren in den Wintersemesterferien weg. Nach reichlichem Überlegen fanden wir eine Stadt, in der noch keiner von uns zuvor gewesen war: Prag.
Kurz darauf wurden auch schon Pläne für Unternehmungen geschmiedet, eine Unterkunft auf AirBnB gesucht und nach dem günstigsten Weg zur tschechischen Hauptstadt gesucht, was sich als gar nicht so einfach herausstellte, da Fernbus und Zug unverhältnismäßig teuer waren und keiner so wirklich sein Auto der Gefahr des Diebstahls, der in Prag dann doch nicht ganz so selten ist, aussetzen wollte. Doch meine Eltern hatten die rettende Idee und stellten uns ihren alten VW Passat zur Verfügung, der dieses Jahr ohnehin ausgemustert werden soll und bei dem sie fast darauf hofften, dass wir ohne ihn zurück kämen. (Schon mal vorab: Wir und das Auto sind alle heil wieder daheim angekommen.)

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Und dann ging es am 1. März auch schon los, 513 Kilometer Richtung Osten. Wir brauchten mit Pausen etwa fünf Stunden und erreichten unser Ziel auch schon gegen Mittag. Nachdem ein bewachter Parkplatz gefunden war, um es den Dieben doch noch ein wenig schwierig zu machen, bezogen wir unser Apartment, welches für fünf Personen ausgelegt war und mussten erst einmal herzlich lachen. Es gab genau ein richtiges Bett in der Wohnung, welches mit einer so dünnen Matratze ausgestattet war, dass das Märchen von der Prinzessin auf der Erbse plötzlich reale Züge annahm. Dazu quietschte es auch noch bei jeder Bewegung des darauf Liegenden, als ob es seine besten Tage schon lange hinter sich gehabt hätte. Und die anderen Personen? Die fanden im Wohn/Durchgangszimmer auf der ausziehbaren Couch, bzw. wie ich, auf einem ausziehbaren Sessel Platz. Aber ok, wir sind jung, der Parkettboden und der restliche Stil der Wohnung gefiel uns, wir zahlten umgerechnet 10€ pro Nacht & Person und wollten ohnehin mehr Zeit mit der Erkundung Prags verbringen, als uns an irgendwelchen lärmenden Betten zu stören und so brachen

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Tyn Church

wir auch bald wieder auf und besuchten ein tschechisches Restaurant, das in einem Keller lag und dessen Wände mit Schwertern und Ritterrüstungen geschmückt war. Lisa und Levin versuchten die böhmische Fleischplatte zu bezwingen, ich aß aus Versehen ein Stück Speckknödel und wir hatten insgesamt ein ziemlich lustiges Abendessen, an welches sich eine Ghost Tour durch die Stadt anschloss, bei der wir einige Geschichten hörten, wie etwa die über einen geraubten Sohn, der Jahre später nach Prag zurückkehrte, sich unwissend in seine Mutter verliebte und dafür vor ihren Augen gehängt wurde. Noch heute soll man ab und an die Mutter auf dem Balkon stehen und über ihren toten Sohn weinen sehen.
Zu verängstigt waren wir allerdings wohl nicht, fielen wir doch später alle in einen tiefen, nur durch das quietschende Bett gestörten, Schlaf.

Obwohl es ziemlich windig war, wollten wir uns den Aussichtsturm Petřin, der dem Pariser Eiffelturm nachempfunden ist, nicht entgehen lassen und stiegen zielstrebig den Hügel und danach auch die 299 Stufen zur Aussichtsplattform hinauf, wobei wir einige Male fast herunter geweht worden wären, da die Treppe im Freien liegt. In Deutschland wäre der Aufstieg vermutlich wegen zu starken Sturmböen gesperrt gewesen, aber zum Glück waren wir ja in Tschechien 😉

 

Glücklich über den unfallfreien Ausgang dieses Erlebnisses begaben wir uns zurück in die Stadt und stärkten uns mit Langòs und Baumstriezeln und warfen einen Blick in die Týn Church, von welcher die Tschechen sagen, sie sei das Vorbild für das Disney-Schloss gewesen. Wir Deutschen behaupten natürlich, es sei Schloss Neuschwanstein. Egal, für welche Seite man sich entscheidet, sie ist wirklich beeindruckend (besonders bei Nacht!), nur der Eingang, für den man erst einmal zwischen den Biergärten zweier Restaurants hindurch muss und dann in eine Art “Vorhof” kommt, der nach Fritteuse riecht, da hier der Abzug des davor liegenden Restaurants endet, ist nicht wirklich passend für ein so schönes altes Bauwerk.

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Astronomical clock

Den Freitag hatten wir mit Absicht unverplant gelassen, da wir Zeit haben wollten, spontane Ideen umzusetzen. Da Thekla sich leider eine ziemlich üble Erkältung zugelegt hatte, beschlossen wir, es etwas ruhiger angehen zu lassen.
Da ich kurz vor der Reise das erste Mal in einem sogenannten Escape-Room war (zur Erklärung: Eine Art Spiel, bei der eine Gruppe in einen Raum eingeschlossen wird und durch das Lösen verschiedener Rätsel innerhalb einer bestimmten Zeit (meist eine Stunde) den Ausweg finden muss.), schlug ich vor, so etwas doch auch in Prag zu unternehmen, wo einem hierfür eine breite Auswahl geboten wird. (Vom von Geistern besetzten Spukhaus bis hin zum Atombunker war alles möglich.)
Wir entschieden uns für die mittelalterliche Folterkammer (findet ihr auch “entscheiden für” und “Folterkammer” in einem Satz klingt irgendwie seltsam?) und wurden auch sehr bald von unserem Zellenwärter in den Keller gerufen, wo er uns mit verbundenen Augen an unseren Bestimmungsort führte, Lisa und Thekla in Gefängniszellen sperrte, mich an die Wand kettete und Levin auf die Streckbank legte. Die nächsten 60 Minuten waren wir erst damit beschäftigt uns gegenseitig zu befreien und dann dem drohenden Verbrennungstod, der am nächsten Morgen auf uns warten sollte, zu entkommen. Dabei mussten wir einen Kamin entfachen, einem Totenschädel sein Auge zurückgeben und eine Wasserleiche aus dem Brunnen nach oben kurbeln. Es war teilweise gar nicht so einfach, aber nach etwa 48 Minuten hatten wir es nach draußen geschafft.

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Das sollte natürlich gefeiert werden und deshalb suchten wir nach einem Café. Ursprünglich wollten wir das kubistische Café im Haus zur schwarzen Madonna gehen, welches sich jedoch als Raucher-Café herausstellte und somit begann eine kleine Odyssee, die Levin vermutlich am Verstand seiner weiblichen Mitreisenden zweifeln ließ. So einfach ist das aber eben nicht, ein Café zu finden, welches gut, gemütlich und bezahlbar ist und gleichzeitig eine gute Auswahl an Kuchen besitzt. Schlussendlich waren wir jedoch erfolgreich und Lisa und ich teilten uns das vermutlich größte Stück Schokotorte, dass ich in meinem Leben je gesehen habe.

 

Nach einem kurzen Besuch auf dem Markt ruhten wir uns noch etwas in unserem Apartment aus, denn später am Abend stand für Lisa, Levin und mich (Thekla wollte sich aufgrund ihrer Erkältung lieber ein wenig ausruhen) noch der Besuch im Ballett an, wo die schönsten Teile aus Schwanensee gezeigt wurden. Es war wirklich schön anzusehen, aber ich will nicht lügen… Gegen 23 Uhr fielen uns dann doch hin und wieder kurz die Augen zu.

Voller neuer Eindrücke und natürlich auch Vorfreude auf unsere eigenen richtigen Betten holten wir Samstagmorgen unser Auto auf dem Parkplatz ab und machten uns auf die Heimfahrt.

Mit Prag haben Wien und Budapest definitiv einen neuen ernstzunehmenden Mitstreiter um den ersten Platz auf meiner Liste der schönsten europäischen Hauptstädte bekommen und diese Reise wird mit Sicherheit nicht mein letzter Besuch
dort gewesen sein, denn es sind noch so viele weitere Dinge zu entdecken.

Am Ende auch ein kurzer Dank an Levin, der mir die Bilder unserer Reise zur Verfügung gestellt hat 🙂 Aber gewöhnt euch nicht zu sehr daran… von mir und Flo wird es vermutlich auch in Zukunft hauptsächlich Bilder in Smartphone Qualität geben.

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-ENGLISH-

I really hope, this will not lead to too aufgrund ihrer Erkältung lieber etwas Ruhe gönnen) noch die Ballettvorführung der Schwanensee-Highlights an. Ich will nicht lügen, gegen 23 Uhr fielen uns allen dann
As we usually spend quite a lot of time at train stations because of our traveling to and from uni, we ask ourselves often (mostly in the morning, when we have a double math lecture ahead) how it would be to just take the next train to a nice place like Amsterdam or

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Kafka -who else? 😉

Paris. And so we made a plan: We will go on a holiday during our next semester break. We thought a lot and finally found a destination where none of us had been before: Prague.
Soon we already made plans for activities, looked for a place to stay on AirBnB and for the cheapest way to get to the doch mal kurzzeitig die Augen zu, auch wenn das Gebotene wirklich spektakulär anzusehen war.much trouble with Florian but this is my first blog post about a trip, on which I did not go with him but with my friends from university, Lisa, Thekla and Levincapital of the Czech Republic, which was not as easy as we thought because intercity buses and trains were disproportionately expensive and no one really wanted to expose their car to the threat of stealing, which is still a thing in Prague. But my parents had the saving idea and provided us their old VW Passat, which they want to discard this year anyway and so they were almost hoping for us to come back without it. (Beforehand: We and the car came back all safe and sound.)

And so we started on the 1. March, 513 kilometers eastbound. With breaks we needed about five hours and reached our destination around lunchtime. After we found a secured parking spot (to make it a bit more difficult for possible thieves) we moved into our apartment, which was advertised for five people, and immediately started to laugh. There was exactly one proper bed in the whole flat and it had such a thin mattress that the story of the princess and the pea suddenly seemed quite realistic. Furthermore it squeaked with every movement someone did on it… And the other people? Thekla and Lisa shared a sofa-sleeper and I slept on an extendible armchair. But ok, we are young, we liked the parquet floor and the apartment’s style, we paid about AUD 15 per night and person and we planned to spend most of our time exploring Prague anyway and not to bother with noisy beds. Soon we left and walked to a Czech restaurant which was located in a cellar and decorated with knight’s amours and swords. Lisa and Levin shared a Bohemian platter, I accidentally ate a dumpling with bacon and altogether we had a pretty funny dinner after which we joined a ghost tour through the city and listened to many stories like the one about a son, who was stolen from his family as a baby and came back to Prague as a young man, unknowingly fell in love with his mother and was hung for it in front of her eyes. And today, they say, sometimes you can still see her standing on the balcony and crying over her dead son.
Obviously we were not to scared and so the only thing that disturbed our sleep was the squeaking bed.

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The next day we joined one of the free walking tours and learned a lot about the Czech Republic’s capital, including the probably most important words “Dobrý den” = Hello, “díky” = thanks and finally “pivo”= beer. Although it was very windy we did not want miss the Petřín tower, which is built after the Eiffel tower in Paris and so we were determined to climb up the hill and also the 299 steps to the observation deck while we were almost blown away not only by the sight but also by the wind as the stairs are on the outside of the tower. In Germany the climb would have been closed off in this weather condition but luckily we were in the Czech Republic 😉
Happy that we reached the ground again without any accidents we walked back into the city and recovered while eating some langòs and chimney cakes before we took a look into Týn church, which is known as the model for the famous Disney castle by all Czechs. We Germans claim it is Neuschwanstein castle of course! No matter which side you choose, it is stunning (especially by night), only the entrance is located at a strange place as you need to walk in between the beer gardens of two restaurants and then reach some kind of forecourt which smells like a deep frier because the exhaust hood of one of the restaurants ends here, so it does not really match such an old beautiful building.

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We left Friday unplanned on purpose to give us the possibility to do some things spontaneously. As Thekla caught a really bad cold we wanted to go a little slower with this day. Because I had been to an escape room just before we went on this trip (Explanation: It is a kind of game where a group gets locked into a room and has to solve riddles to find the way out within a certain time (usually one hour)) I suggested to do something like this in Prague, where they provided a big choice of rooms. (From haunted houses to a nuclear bunker everything was possible.) We chose a medieval dungeon (do you also think “choose” and “medieval dungeon” sound strange in one sentence?) and soon our dungeon master called for us and we walked down into the cellar where he blindfolded us and took us to our destination. Lisa and Thekla were locked into cells, I was chained to the wall and Levin to a rack. We spent the next 60 minutes with freeing each other first and then to escape the approaching death in the fire, that was
waiting for us the next morning. We had to light a fireplace, give a skull its eye back and wind a drowned body up out of the well. It was to always easy but after about 48 minutes we made it out of the dungeon.

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Of course this needed to be celebrated and so we looked for a café. Originally we wanted to go to the cubistic café which turned out to be a smoker café and so a little odyssey began that could have mede Levin doubt about the sanity of his female fellow travelers. It is just not that easy to find a café which is good, cosy, affordable and has a big range of cakes. But in the end we were successful and Lisa and I shared the biggest piece of chocolate cake I have ever seen in my entire life.

After a short visit at the markets we relaxed a little bit at our apartment because later in the evening Lisa, Levin and I had another event (Thekla wanted to sleep a little bit instead as she was really sick): A ballet which showed the highlights of Swans Lake. I will not lie, though it was really nice to watch, around 11pm all our eyes felt really heavy.

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Full of new impressions and of course anticipation of our own comfy beds we picked our car up on Saturday morning and went on our way home.
Now Vienna and Budapest have a new serious campaigner in the competition for the best European capital and this trip to Prague will for sure not be my last one because there are so many things left to see.

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