Unsere kleine Farm

Und los ging es, auf der falschen Straßenseite fahren und immer schön den Scheibenwischer zum Blinken benutzen, dann funktioniert das mit dem Straßenverkehr auch halbwegs. Da wir ja beschlossen hatten, auf dem Weg nach Leeton einen Umweg durch den Alpine National Park zu nehmen, fuhren wir von Melbourne aus erst einmal in Richtung Bairnsdale den Princess Highway entlang. Sobald die Stadt hinter uns lag, sahen wir links und rechts der Straße nur noch riesige Weiden mit Rindern, Schafen und Pferden (erinnert ein wenig an Bayern, nur noch vieeel größer), ich glaube, ich habe die erste halbe Stunde nur lächelnd an der Fensterscheibe gehangen, so toll fand ich das alles (keine Sorge, Flo ist gefahren). Als es anfing zu dämmern, suchten wir uns einen kostenlosen Campingplatz (geht mit Hilfe von WikiCamps, einer App, echt einfach, da sowohl Wegbeschriebung, als auch Bewertung und Ausstattung angezeigt werden) in Sale. Wir wpid-dsc_0387.jpgkonnten bei unserer Ankunft gerade noch genug sehen, um nicht in dem angrenzenden See zu landen. Schnell wurde der Gaskocher ausgepackt, Nudeln gekocht und nach dem Essen unter der Bettdecke gekrochen, um den Weg am nächsten Morgen über die Great Alpine Road fortzusetzen. Ich muss sagen, der Camper ist wirklich komfortabel. Wir haben eine zweite Batterie und können somit den hinteren Teil beleuchten, Handys laden und einen kleinen Kühlschrank betreiben. wpid-dsc_0385.jpg
Die Straße durch den Nationalpark war eine echte Herausforderung. Sie erinnerte uns sehr an die Straßen in den Cameron Highlands, jedoch noch mit zahlreichen Steigungsabschnitten versehen, vor denen unser 90 PS-Paschulke gerne ein wenig Anlauf genommen hätte, was durch die Kurven, in denen höchstens 40 km/h gefahren werden konnten, einfach nicht möglich war. Und so stellten wir uns des Öfteren bei 20 km/h im 2. Gang und durchgetretenem Gaspedal die Frage, ob wir nicht doch lieber anschieben sollten…

Und dann die Überraschung: Schnee! Zwar nur ein paar kleine Flecken, aber er war tatsächlich da. Und kurz darauf Skilifte. Wir waren mitten im australischen Skigebiet gelandet, welches wohl immer etwa am Geburtstag der Queen im Juni seine Saison startet. Damit hatten wir wirklich nicht gerechnet.wpid-dsc_0398.jpgDa wir diesmal den Campingplatz im Hellen erreichen wollten, fingen wir gegen 16 Uhr in der Nähe von Bright mit der Suche an. Leider erfolglos, da wir immer nur auf irgendwelchen Feldwegen landeten, die aber nie zu unserem Ziel führten. Als es dämmerte entschieden wir uns dann eben doch einen kostenpflichtigen zu nehmen, die natürlich wesentlich besser ausgeschildert sind. Dort angekommenstaunten wir nicht schlecht: 42$ für eine Nacht. Aber immerhin gab es eine richtig gut ausgestattete Küche, Duschen, Strom und sogar WLAN auf dem gesamten Platz und so bissen wir in den sauren Apfel, um nicht am Ende noch im Dunkeln auf einem Feldweg stecken zu bleiben. Als wir am nächsten Morgen aus unserem Camper krabbelten, sahen wir, wie sich der RAC, das australische Pendant zum ADAC, am Nachbar-Camper zu schaffen machte: Der Motor war eingefroren. Unser Paschulke startete glücklicherweise ohne zu murren und wir konnten unseren Weg fortsetzen. Da es bis Leeton nicht mehr so weit war und ich mich nicht wirklich fit fühlte, entschieden wir, nur etwa drei Stunden weiter zu fahren, uns dann ein wenig in Yarrawonga umzuschauen und dort eine Übernachtungsmöglichkeit zu suchen. Wir endeten im Kino, wo wir “Pitch Perfect 2” anschauten und uns vor dem salzigen Popcorn ekelten (Süßes ist wohl auch so eine typisch deutsche Sache… Sollten die hier aber echt übernehmen!). Auch der Campingplatz für diesen Abend lag an einem See, direkt an der Grenze zu New South Wales, unser Camper stand praktisch in zwei Bundeststaaten.

Dann kam der Endspurt, Leeton war nicht mehr weit! Auf dem Weg sahen wir auch schon einige Kängurus, leider alle nur überfahren am Straßenrand…

Und dann waren wir auch schon da, in unserem Zuhause für die letzte und wahrscheinlich auch die nächsten Wochen: Einer Farm mit vier Kühen, vielen vielen Schafen, drei Ponys (Sparkles, Coco, Kadeesha), zwei Pferden (Ned, Maxx), einem Hund (Snoopy) und einer Katze (Tinkerbell). Wir haben ein schönes Zimmer mit Doppelbett, essen meistens zusammen mit der Familie (Sarah – Reitlehrerin, Tobias- Metallskulpturengestalter und Sebastian – 4 Jahre) und dürfen sogar das Auto mitbenutzen. Montags haben wir Maxx riesiges Paddock von Holz befreit und dabei auch wpid-img-20150526-wa0006.jpgnoch Traktorfahren gelernt, Dienstags die Nacht-Paddocks abgeäppelt, Ikea-Schränke für den neuen Stalltrakt zusammen gebaut und (versucht) Dinge ins neue Bad zu schrauben. Mittwochs sind Sarah und Sebastian dann für eine Woche weg gefahren, da sie an einer Schule unterrichtet, die an einem großen Turnier teilnimmt. (Warum reitet man denn bei uns nicht in der Schule? Dann wäre ich viel motivierter zum Sportunterricht gegangen!) Da Tobias hauptsächlich in seiner Werkstatt ist und recht wenig mit Pferden am Hut hat, fiel die Aufgabe des Bewegens und Fütterns an uns und Flo bekam einen Longier-Crashkurs. Der Rest der Woche brachte dann fast so etwas wie Alltagsroutine mit sich. Morgens füttern, die dicken Decken abziehen, Pferde longieren,

Flo lernt longieren
Flo lernt longieren

Mittagessen kochen (ja, wir werden hier fast noch zu Köchen…), dann ein bisschen Zeit zum entspannen, einkaufen oder waschen und wieder füttern, die dicken Decken anziehen und kochen. Abends gibt es mittlerweile (viel zu) oft Mug Cakes, also Kuchen in Tassen aus der Mikrowelle. Ich habe ja im letzten Blog schon ein Foto gezeigt, aber wir haben festgestellt, dass sie mit Self raising flour, also Mehl, das schon mit Backpulver gemischt ist, noch viel besser werden und probieren seitdem immer neue Varianten mit Zitrone, Kirschen, Nutella… Mama, wir brauchen eine Mikrowelle! Und wenn ich die in mein Zimmer stellen muss!

Also, falls ihr zu den glücklichen Mikrowellenbesitzen gehört und beim Fernsehen Lust auf Kuchen bekommen solltet: 4 EL Mehl, 4 EL Kabapulver, etwas Backpulver, 3 EL Öl, 3 EL Milch und dann für 2 Minuten in die Mikrowelle. Oder einfach variieren und noch 2 EL Nutella dazu oder ein wenig Obst, oder einfach mehr Mehl und kein Kabapulver und die Milch durch Zitronensaft ersetzen… Wir können nicht aufhören zu “backen” 😀

Heute waren wir noch in Griffith, um mal aus Leeton rauszukommen und mussten feststellen, dass australische Kleinstädte im Grunde alle ähnlich sind: Man fährt hinein und immer weiter, bis man schließlich in der Einkaufsstraße landet. Und viel mehr.. ist da einfach nicht. Es gibt wohl noch einen ziemlich schönen Zoo dort durch den man mit Wagen fährt, allerdings muss man sich das bei 35$ Eintritt als Backpacker doch 3x überlegen.
Bis dahin haben wir jetzt erst mal eine Nacht “sturmfrei”, weil Tobias nach Melbourne gefahren ist, um Skulpturen auszuliefern. Er hat uns mit “…and no Party!” verabschiedet. Aber wir konnten ihn beruhigen. Wen sollten wir denn einladen? -s

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5 Comments

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  1. Hab euch auf Google Maps gefunden. Seid gerade über den Hof gelaufen und habt eure Lasagne gegessen.

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  2. Klingt ja perfekt für dich mit den Pferden, Sabrina! 🙂
    Euere Reise klingt jetzt schon wie ein richtiges Abenteuer! Ich freu mich schon sehr auf weitere Einträge :)*

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  3. Pressemeldung: Wirtschaftsleistung in Australien gestiegen
    Wie habt ihr das so schnell geschafft ?

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  4. @Papa: German Efficiency haben sie das bei mir in Texas genannt… Wobei ich Sabrina auf dem Traktor nicht mal das Wasser reichen kann – ich hatte damals nur ein Labor auf Vordermann gebracht.

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